14. Mai 2023

Heute heisst es wieder Kilometer zu raspeln. Ziel ist, heute Abend in der Nähe von Kiel zu sein, wo wir am Montagabend die Fähre nach Göteborg gebucht haben. Das sind dann heute doch rund 620 km. Die Fahrt geht flott und einfach. Mit rund 90 bis 100 km/h easy und entspannt über die A7 Richtung Norden. Doch zu früh gefreut, kurz nach Hannover Stau! Auffahrunfall auf einen Stau, 4 involvierte Fahrzeuge, 6 zum Teil schwer Verletzte! Totalsperrung der Autobahn und rund 2 1/2 Stunden Stillstand. Im WoMo haben wir zum Glück Verpflegung, Kaffeemaschine und WC mit dabei. Die anderen in den PWs können einem richtig leidtun. Die vorbeifahrenden Krankenwagen trüben die Ferienstimmung aber ziemlich.
Rund um Hamburg einiges an Stau. Das Navi führt uns deshalb ziemlich durch die Stadt. Wir wagen es trotz der Grösse unseres WoMos. So kommen wir dann mit einiger Verspätung in Kiel an und entscheiden uns, in Laboe an der Kieler Förde zu übernachten. Ein Campingplatz direkt am Meer, wir haben einen schönen Stellplatz.
15. Mai 2023

Das Wetter spielt mit, wir geniessen das Frühstück draussen vor dem WoMo mit frischen Brötchen. Danach besuchen wir das Marine Ehrenmal in Laboe. Es bewegt uns, wie viele Marinesoldaten aus allen Ländern insbesondere in den Weltkriegen ihr Leben lassen mussten. So kamen zum Beispiel von 40'000 deutschen Uboot Fahrern nur rund ein Viertel wieder lebend zurück. Ganz zu schweigen von den vielen Seeleuten, die durch Torpedos der Uboote ihr Leben verloren haben. Und wofür das alles? Schlussendlich einfach für nichts! Besonders eindrücklich eine Wand mit persönlichen Widmungen von Angehörigen an ihre gefallenen Söhne, Ehemänner und Väter. Und viele dicke Bücher mit allen Namen gefallener Seeleute. Jeder einzelne Name ein Schicksal, eine Familie, Trauer…
Danach besuchen wir noch ein Uboot aus dem 2. Weltkrieg. Eine 60m lange Röhre vollgestopft mit Technik. Ohne richtig Platz für die Seeleute. Die Kojen mussten sich 2 bis 3 Seeleute teilen und sind nur rund 1.60 m lang. Zwischen Torpedos, Motoren, Batterien und Lebensmitteln haben diese Männer gehaust, nicht vorzustellen bei Beschuss in dieser engen Röhre ohne Frischluft eingesperrt zu sein.
Am späteren Nachmittag geht es Richtung Kiel zum Einschiffen auf die Fähre. Check-in wird im Drive-through gemacht und dauert rund 30 Sekunden, inkl. Bordkarten und Schlüsselkarten für die Kabine. Das ist effizient organisiert. Das WoMo im Bauch des Schiffes versorgt. Nun suchen wir unsere Kabine im 11. Stock. Wunderschöne Kabine mit grossem Fenster.
Ausgerüstet mit einem Welcome-Cüpli verfolgen wir die Ausfahrt aus Kiel auf dem Aussichtsdeck im 12. Stock. Es wird langsam kühl und wir holen unsere Jacken in der Kabine, was uns noch ein zweites Welcome Cüpli beschert. Wir sagen natürlich nicht nein :-). Später Nachtessen im Restaurant mit Tisch direkt am grossen Fenster. Wir geniessen den Sonnenuntergang mit einem guten Essen und einem Schluck Wein.
16. Mai 2023

Frühstück auf der Fähre, das Restaurant ist ziemlich voll. Wir finden einen Platz am Tisch eines älteren Herrn aus Berlin. Er besucht seinen Stiefsohn in Stockholm. Leider kann er dies nicht zusammen mit seiner Frau tun, da der Stiefsohn in einem Tiny House lebt und nicht für beide Platz hat. Unser Tiny House hat Räder und steht unten im Fahrzeugdeck der Fähre :-)
Wenn wir uns umschauen, sehen wir neben einigen ganz wenigen Familien mit kleinen Kindern nur Leute im Pensionsalter. Wir machen uns etwas über die Rentnerreisen lustig bis uns bewusst wird, dass ich ja mit Ü60 eigentlich auch langsam in diese Kategorie gehöre und den Altersschnitt nicht mehr nach unten ziehe.
Die Einfahrt nach Göteborg ist faszinierend. Zuerst fahren wir neben vielen vor Anker liegenden Frachtschiffen durch, danach durch den schmalen Fjord von Göteborg, mit dem Riesenschiff knapp an den kleinen Schäreninseln vorbei. Leuchttürme und kleine Häuser.
Wir können sehr schnell unter den Ersten von der Fähre runter fahren. Bei der Ausfahrt aus dem Hafengelände warten der Zoll und die Polizei. Jeder Fahrer wird einer Alkoholkontrolle mit Atemlufttest unterzogen! Hoffentlich sind die zwei Cüpli und die halbe Flasche Rotwein schon abgebaut, in Schweden gilt eine Grenze von 0.2 Promille. Alles in Ordnung, ich darf weiterfahren und das Blasröhrchen als Souvenir behalten. Wäre noch interessant zu wissen, wie viele in dieser Kontrolle hängen bleiben.
Danach geht’s zum Einkaufen. Da wir für die Fähre den Gastank schliessen mussten, war der Kühlschrank während der Überfahrt abgestellt und wir haben keine verderblichen Lebensmittel mitgenommen. Der Laden ist aber ziemlich klein und hat wenig Auswahl. Einen Supermarkt finden wir nicht in akzeptabler Distanz. Die Einwohner Göteborgs essen wohl vor allem auswärts?
Danach geht’s in die Stadt. Es ist wunderschönes Wetter und rund 20 Grad warm. Für die Schweden ist das anscheinend schon Hochsommer, zumindest was die Kleidung angeht. Offene Schuhe oder Flipflops, Bauchfrei oder Tanktops, kurze Hosen und Röcke. Wir brauchen aber unsere Jacken schon noch und outen uns als Touristen. Aber für einen Latte Macchiato (mit Herzchen drauf) mit Streuselkuchen an der Sonne im alten Viertel Haga passts hervorragend und wir geniessen den Frühling.
17. Mai 2023

Heute geht’s weiter nach Stockholm, rund 500 km. Mit dem Frühling ist es definitiv vorbei. In Göteborg morgens um 8 Uhr 3 Grad und Nieselregen. Auf der Fahrt wird es laufend kühler und es regnet in Strömen. Bei Jonköping zeigt das Thermometer noch 0.5 Grad und die entgegenkommenden Lastwagen sind vorne mit einer schönen Schicht Schnee bepflastert. Und bald fahren auch wir im dichten Schneetreiben und Schneematsch auf der Autobahn.
Später geht der Schneefall wieder in Regen über, aber bei der Ankunft in Stockholm regnet es in Strömen. Wir lassen den Stadtbummel deshalb sein, waren wir doch schon zweimal in dieser wunderschönen Stadt, und treffen uns direkt zum Nachtessen mit meinem Neffen und seiner Familie.
18. Mai 2023

Nun geht’s bei schönstem Wetter los Richtung Norden! Bis Bodo sind es 1175 km, also ca. 15 Stunden. Wir suchen auf der Fahrt noch einen Ort, wo wir übernachten können und reservieren per Telefon einen Campingplatz in Solleftea. Die Reception ist nur von 12:00 bis 14:00 geöffnet. Code für die Schranke findet man im Briefkasten. Platz kann man selber wählen.
Von Stockholm nach Solleftea sind es 500 km. Nach Stockholm viel Verkehr und eine normale Autobahn.
Doch bald wird der Verkehr weniger, die Strasse schmaler. Bald sind es nur noch 3 Spuren, wechselseitig eine Überholstrecke. Später nur noch zweispurig und die letzten 100 km geht es nun auf einer normalen Landstrasse Richtung Solleftea. Der "richtige Norden" hat uns wieder!
Camping Solleftea ist ein grosser, aber sehr schön gelegener Campingplatz. Wir finden einen Platz mit Sicht auf den Fluss und läuten hier die Grillsaison 2023 ein.
Auf den anderen Stellplätzen hat es vor allem Schweden und Norweger, diese scheinen die ganze Saison da zu sein und richten ihre Plätze ein mit Rasenmäher, Gärtchen, Lounges etc. Spannend….
Wir machen noch einen kurzen Abendspaziergang am Fluss und sehen die ersten Wildgänse!
19. Mai 2023

Solleftea soll ein kleines, aber schönes Städtchen sein. Das zumindest sagen einige Artikel in Google. Also beschliessen wir, ein Café in der Stadt zu suchen und da zu Frühstücken. Aber das einzig halbwegs sehenswerte ist eine kleine Hauptstrasse mit typisch schwedischen Häusern. Solleftea hat - wie vermutlich viele weitere kleine Städte ausserhalb der urbanen Ballungszentren, seinen Zenit schon länger überschritten. Viele Geschäfte sind leer, von den drei Cafés ist nur noch eines offen. Dieses wäre zwar originell eingerichtet, hat aber nur Kuchen und Zimtschnecken. Das passt dann doch nicht so zum Frühstück. Solleftea war früher Garnisonsstadt, oberhalb der Stadt ist ein grosses Quartier der ehemaligen Kaserne, welches heute von verschiedenen Unternehmungen genutzt wird. Unter anderem befindet sich in einem Kellergeschoss eine Bäckerei. Wir versuchen unser Glück da, es hat auch Brot! Aber unüblich für das bargeldlose Schweden kann man nur mit Bargeld bezahlen. Aus lauter Respekt für meine Branche und meinen Arbeitgeber haben wir natürlich kein schwedisches Bargeld. Wir ziehen also unverrichteter Dinge wieder ab und backen im WoMo unsere Frischbackbrötchen auf. Dafür Frühstück draussen an der Frühlingssonne.
Die schwedischen Saisoncamper, eingefahren mit dem gesamten Hausrat, sind weiterhin dran, ihren Rasen zu mähen, Terrassen zu bauen und Gärtchen einzurichten. Das wird uns dann doch etwas zu viel und wie entschliessen uns, weiter zu fahren.
Los geht's weiter Richtung Norden und Norwegen, wobei wir uns zur Abwechslung nur eine kurze Strecke von 150 km bis Asele vorgenommen haben. Auf einer ruhigen Strasse mit ganz wenig Verkehr (alle 10 Minuten gefühlt kommt mal ein Auto entgegen) geht es durch die schwedischen Wälder Richtung schwedisch Lappland, vorbei an vielen Seen, einer schöner wie der andere.
Unterwegs sehen wir auch den ersten Elch. Er kommt kurz vor uns aus dem Dickicht Richtung Strasse. Keine Ahnung, wer erstaunter war. Wir einen Elch zu sehen oder der Elch, dass da ein Fahrzeug ist. Er dreht sich jedoch schnell um und verschwindet wieder im Wald, auf jeden Fall schneller als wir unsere Kamera oder Smartphones bereit haben. Schade….
Kurz darauf kommen wir in Asele an und haben einen wunderschönen Platz direkt am Fluss auf einem fast leeren Campingplatz. Wir geniessen das traumhafte Wetter und chillen am Fluss.
Wir sind nun soweit nordwärts gekommen, dass es nicht mehr dunkel wird nachts und wir werden rund um Mitternacht von einem traumhaften Abend-/Morgenrot belohnt!
20. Mai 2023

Weiter geht’s mir dem Roadtrip! Wir wollen heute die letzten 600 km Anreise bis Bodo im norwegischen Fylke Nordland, an der Küste des Europäischen Nordmeers, fahren. Von da aus gibt es eine Fähre zu unserem "Sehnsuchtsziel", den Lofoten. Über die einfachen Landstrassen Schwedens und Norwegens rechnen wir mit einer reinen Fahrzeit von rund 9 Stunden. Doch was ist das Motto der Reise: Der Weg ist das Ziel.
Und es lohnt sich! Die Strecke ist wieder wunderschön, vorbei an Seen und Wäldern. Und immer wieder sehen wir Rentiere und sogar auch nochmals einen Elch! Vorsicht ist geboten, stehen doch die Rentiere auch hinter der Kurve auf der Strasse. Wenn der Gegenverkehr (welcher sehr selten ist) mit Warnblinker warnt, lohnt es sich langsamer zu fahren.
Die Strasse geht bergauf in die Berge zwischen Schweden und Lappland. Die Temperatur sinkt entsprechend, der Frühling hat hier noch nicht Einzug gehalten. Die Seen sind noch gefroren und es hat auch noch Schnee!
In Tarnäby, da wo Ingemar Stenmark herkommt, machen wir einen kurzen Halt und essen etwas. Das Skigebiet ist skandinavisch klein und nicht hoch. Schon erstaunlich, dass man an so einem kleinen Hang so gut Skifahren lernen kann, dass man zum besten Skirennfahrer der Welt werden kann. Na gut, für einen guten Slalomhang reichen auch die kleineren Hügel alleweil.
Und dann endlich: Die norwegische Grenze!
Danach gehts steil bergab Richtung Mo I Rana in Norwegen. Noch rund 200km bis Bodo. Das schaffen wir auch noch! Weiter geht es durch den Saltfjellet. Es geht hier mit einer guten und schönen Strecke wieder bergauf auf rund 700 MüM. Es wird wieder winterlich und kalt, und bald erreichen wir oben kurz vor der Passhöhe den Polarkreis.
Und dann der Endspurt. Die letzten 100 km bis Bodo spulen wir auch noch runter und erreichen gegen 20 Uhr unser Ziel. Am Hafen hat es einen Stellplatz für Wohnmobile, wo wir uns zum Übernachten hinstellen.
WoMo an der Strom anschliessen und zu Fuss in Zentrum. Die rund 2 km ins Zentrum zu Fuss tun nach dem langen Sitzen richtig gut, auch wenn uns der Wind grad ziemlich kalt um die Ohren pfeift. Nachtessen im 17. Stock des Scandic Hotels mit Aussicht auf die Stadt und den Hafen. Danach noch die Fahrpläne der Fähre studieren, Morgen soll es endlich in die Lofoten gehen.
21. Mai 2023

Wir stellen uns schon früh in die wartende Kolonne vor der Fähre, da es nicht mehr möglich war am Abend vorher einen Platz zu reservieren. Es hat nur um 13:00 Uhr und um 21:00 Uhr eine Fähre, und wir möchten unbedingt heute auf die Lofoten. Und die Fähre sieht nicht sehr gross aus. Wir stehen ziemlich vorne in der Warteschlange, aber haben keine Ahnung, wie viele Plätze reserviert sind. Die Warterei ist nicht so schlimm, haben wir doch in unser Tiny House auf Rädern alles dabei was es braucht: Küche, Wohnzimmer, WC, Schlafzimmer. Wir frühstücken und schlagen uns mit Schlafen und Lesen die Zeit tot. Später erfahren wir, dass doch rund 120 Fahrzeuge Platz haben. Erstaunlich, wenn man die Fähre von aussen sieht.
Um 12:00 beginnt das Boarding und wir haben Platz! Können sogar unter den ersten rein, haben doch vor allem PWs reserviert welche ein eigenes Deck haben.
Die Überfahrt ist ziemlich ruppig, Wellengang von ca. 2m Höhe. Zwischendurch meldet sich so etwas wie Seekrankheit im Magen. Schlafen hilft…
Nach 16:00 Uhr Ankunft in Moskenes auf den Lofoten.
Lofoten, wir sind da :-)
Gleich beim Hafen hat es einen wunderschönen Campingplatz. Wir stellen uns direkt an der Klippe auf. Direkt hinter uns geht es rund 30m runter aufs Meer. Eine Aussicht, die sich kaum überbieten lässt. Wir können am Tisch sitzen und sehen auf allen drei Seiten das Meer und die Berge rund um Moskenes. Die Möven fliegen um uns rum. Und das Wetter zeigt sich von der schönsten Seite. Das ist effektiv das Paradies! Genau darauf haben wir uns so gefreut.
Am Abend spazieren wir ins Dorf und finden per Zufall ein Restaurant der Gourmet-Klasse. Norwegische Küche vom Feinsten, unter anderem essen wir Kabeljau Zungen mit Chili und Mango. Hervorragend! Damit hätten wir nie gerechnet. Der krönende Abschluss!
22. Mai 2023

Am Morgen ist es sehr neblig, Sichtweite etwa 50m. Wie wir später erfahren, ist dies äusserst selten auf den Lofoten im Sommer, das gäbe es nur etwa fünfmal im Jahr. Aber schon bald hebt sich der Nebel und man sieht unter der Wolkendecke einen sonnigen Streifen Richtung Süden und die rund 100km entfernten Berge des norwegischen Festlands.
Später fahre ich mit dem Bike ins Dorf einkaufen. Es hat zwei Läden! Erstaunlich wie gross das Sortiment ist, muss doch alles irgendwie hierhin gekarrt werden. Einkaufen ist nicht ganz einfach, ist doch alles nur auf Norwegisch angeschrieben. Mit Schoggigipfeli, Pariserbrötli, einem Brot mit Rüebli drin (echt!), Himbeeren und der vor 30 Jahren so geliebten Leberpastete komme ich wieder zurück.
Die Leute hier sind alle sehr freundlich. Leicht erstaunlich, haben wir die Norweger bisher doch eher als reserviert erlebt. Aber jede und jeder lächelt Dich an und grüsst mit "Hej Hej". Selbst die Fussgänger lächeln Dich auf dem Bike an. Hej Hej!
Nach dem Frühstück nehmen wir die Bikes und fahren noch die letzten 5 km auf der E10, der Hauptstrasse welche über die gesamten Lofoten führt, ans Ende der Insel. Zuerst fahren wir durch Moskenes und an den kleinen Fischerhafen. Das Wetter klart richtig auf und die Sonne scheint! Danach steigen hinter dem Hafen auf einen kleinen Hügel direkt am Meer. Einfach grandios die Aussicht hier. Wir können uns kaum satt sehen. Danach geht’s mit den Bikes weiter nach Å. Die Ortschaft mit diesem wirklich sehr kurzen Namen hat rund 100 Einwohner. Der Name, etymologisch verwandt mit Ache und lat. aqua, bedeutet so viel wie Bach. Google weis alles :-). Wir steigen am absoluten Ende der Hauptstrasse (von hier geht’s wirklich nur noch mit Bergsteigen oder dem Boot an die Westspitze der Lofoten) noch auf einen kleinen Hügel. Auch hier wieder eine wunderbare Aussicht. Wir setzen uns in die Sonne, geniessen die Aussicht, und schauen den in den Felswänden brütenden Möven zu. Wir können uns fast nicht mehr aufraffen um wieder zurück zu fahren. Wir schauen uns noch etwas das Dörfchen Å an. Viele Rorbuers, also ehemalige Fischerhütten, welche heute in vielen Dörfern als Gäste-Appartements hergerichtet sind. So bleiben diese aber erhalten, die Dörfchen behalten am Hafen ihren ehemaligen Charme und verfallen nicht. In einem Restaurant am Hafen trinken wir noch einen Kaffee, bevor wir zurück fahren.
23. Mai 2023

Der Tag beginnt regnerisch und trüb. Gegen Nachmittag sollte es jedoch aufklaren und sich die Sonne zeigen. Also in aller Ruhe einkaufen gehen, die gekauften Schoggigipfeli geniessen. Und danach etwas Housekeeping. Staub- und Kiessaugen, Böden feucht aufnehmen, abstauben…. Ja, auch das muss sein. Und auch das Büro muss gemacht sein, Mails, Zahlungen, Sommerpneus organisieren etc. Aber in der Umgebung geht einem auch all das einfacher von der Hand!
Und wie die App vom Norwegischen Wetterdienst vorhergesagt hat, klart es nach dem Mittag auf. Es bleibt zwar ziemlich kalt, aber die Sonne drückt durch die dünner werdenden Wolken. Also anziehen, Bikes bereit machen und los geht's Richtung Osten nach Reine und Hamnøy. Dies sollen die schönsten Orte in den Lofoten sein. Wir freuen uns sehr darauf, vor allem wenn auch das Wetter wieder mitspielt.
Zwischen dem steilen Bergrücken und dem Meer geht es Richtung Reine. Die beiden langen Tunnels können wir auf der alten, schmalen Strasse umfahren. Und die ganze Zeit, wie schon die letzten Tage, von einem speziellen Fischgeruch begleitet. Überall stehen die Gestelle für das Trocknen der Fische als Stockfisch. Das gehört zu Norwegen wie das wechselhafte Wetter.
Und nach wenigen Kilometern sind wir in Reine. Doch kurz vorher heisst es noch warten: Die Strasse wird von einem Baustellenfahrzeug versperrt und es hat sich schon eine schöne Kolonne gebildet. Mit den Bikes fahren wir mal an der Kolonne vorbei. Weiter vorne verteilt ein Radbagger grosse Gummimatten über Felsen direkt am Strassenrand und eine Hälfte der Strasse. Was die wohl vorhaben? Als die Matten verteilt sind, wird die Strasse wieder frei gegeben und wir fahren in die grosse "Natur-Arena".
Und plötzlich ein Riesenknall! Wir sehen von weiter weg, wie über der Baustelle, wo vorhin die Strasse gesperrt war, Rauch aufsteigt und die Gummimatten und Gesteinsbrocken hoch fliegen. Hier wurde also der Fels gesprengt um die Strasse zu verbreitern. An vielen anderen Orten wäre wahrscheinlich für eine so grosse Sprengung das halbe Dorf evakuiert worden.
Wir fahren über verschiedene kleine Brücken von Inselchen zu Inselchen und können uns fast nicht satt sehen. Und wie versprochen kommt nun endgültig auch die Sonne hinter den Wolken hervor.
Wir steigen auf einen kleinen Hügel. An der Sonne ist es angenehm warm und machen es wie die Möwen: Wir hocken uns auf einen warmen Stein, lassen uns von der Sonne wärmen und geniessen die Aussicht.
In Reine wollen wir im Restaurant Gammelbua essen gehen. Dieses ist in einer ehemaligen Fischerwerkstatt und einem ehemaligen Laden eingerichtet. Wir sind aber noch rund eine halbe Stunde zu früh, das Restaurant öffnet erst um 18:00. Deshalb gehen wir noch etwas spazieren. Der Wind dreht nun richtig unangenehm kalt auf. Wir befürchten, dass die rund 7 km Heimfahrt gegen den Wind nach dem Essen dann doch etwas "streng" werden. Es ist wirklich unangenehm "bisig", weshalb wir unseren Spaziergang am Hafen von Reine nicht so richtig geniessen können. Doch ein paar Fotos vom Leuchtturm müssen noch sein.
Das Essen im Gammelbua ist dann sehr fein, und das Lokal selbst der Hammer. Gut haben wir vor der Türe ausgeharrt bis 18:00 Uhr: Es sind nur ein paar Tische vorhanden und nur 3 Tische nicht reserviert. Wäre schade gewesen, wenn wir nicht hätten da essen können. Wir essen Kabeljau-Zungen, Crevetten, Elchfilet und ein traditionelles Dessert. Wobei wir auch lernen, dass es sich bei den Zungen um das Kinn der Fische handelt, und nicht um die Zungen.
Und tatsächlich, die Rückfahrt wird giftig. Doch die grandiose Aussicht überlagert auch die Kälte. Vor allem auch spannend, wie sich mit dem wechselnden Licht auch die Landschaft verändert.
24. Mai 2023

Das Wetter schlägt nun definitiv um. Die Temperatur ist fühlbar gesunken und zu Beginn regnet es. Der Wind hat nochmals aufgefrischt und ist extrem kühl. Ohne die zumindest gefühlt wärmende Sonne wird nun richtig winterlich.
Wir fahren heute weiter ostwärts auf den Lofoten, von der Insel Moskenesøy, auf der wir uns aktuell befinden, weiter über Flakstadøy nach Vestvågøy. Da möchten wir an einem weissen Sandstrand auf der Nordseite bleiben. Wenn wir Glück haben, können wir von da aus auch nach Norden die Mitternachtssonne am Horizont sehen. Wir machen uns aber keine grossen Hoffnungen, der Wetterbericht spricht von Sturm und starkem Regen.
Und so geht also unser Roadtrip weiter. Das Wetter wechselt so alle 10 bis 15 Minuten. Von strahlendem Sonnenschein und Regenschauer und Wind. Unser Aprilwetter in der Schweiz ist im Vergleich dazu ziemlich langweilig.
Wir nehmen es gemütlich, halten oft an und probieren jede halbwegs befahrbare Stichstrasse, welche von der Hauptstrasse weg führt aus. Belohnt werden wir einerseits mit wunderschönen Landschaften und Anblicken. Die Natur hat hier wirklich aus dem vollen geschöpft und viel Fantasie gezeigt. Von Hochmoorlandschaften bis zu karibisch grünen Buchten.
Übrigens: Wir hören hier den ganzen Tag den Lokalsender Radio Bø. Ein kleines Lokalradio mit 4 Mitarbeitenden (gemäss Webpage) mit einem Musikprogramm das zu 100% zu uns passt. Unter diesem Link kann man Radio Bø über das Internet hören: https://radiobo.no/radiospilleren/ . Am besten man hört am Montagabend mal rein: Da spielen sie Bingo übers Radio…. :-) Das muss man sich unbedingt mal anhören!
Wir kommen so ins Dörfchen Nusfjord. Einem kleinen Fischerdorf an einem eindrücklichen schmalen Fjord gelegen, der noch von einer Felsinsel fast abgeriegelt wird. Der Weg dahin führt durch ein Hochtal mit wunderschönen Berglandschaften und Seen. In Nusfjord essen wir zu Mittag ein einem umgebauten Lagerhaus.
Weiter geht’s nach Hov. Hier hat es einen kleinen Campingplatz neben einem Reiterhof mit Islandpferden. Ziel ist, dass wir hier reiten gehen können. Das Wetter wird immer schlechter, wobei auf Momente, wo es stürmt und waagerecht graupelt innert weniger Minuten Phasen mit Sonne folgen. Das Schauspiel ist eigentlich grandios, der Strand und das Meer sehen laufend anders aus. Nur macht es bei gefühlten Minusgraden nicht unbedingt viel Spass hinaus zu gehen.